Schwärmerei der Woche – William Fitzsimmons

Stellt euch vor, es ist Sommer, ein bärtiger netter Mann sitzt mit euch und seiner Gitarre auf dem Balkon einer Penthousewohnung, so wie hier, und singt mit einer Stimme, die einem im einem Moment das Herz zerreißt und im anderen den Frieden auf Erden zu schenken versucht, wunderschöne Lieder. Zwischen den Lieder streicht er sich kurz über den Bart sagt etwas, das von erstaunlichem Geistreichtum und Kreativität zeugt und beginnt wieder die Gitarre zu spielen. Vielleicht sollte man lieber sagen, lässt die Gitarre wieder ihn spielen, denn so wirkt es, als ob sie ihn spielt, so leicht geht es voran.
Doch trotz der leichten Spielweise und dem Gefühl, die Melodie komme mit dem Wind ans Ohr heranflogen, ist die Geschichte, die William Fitzsimmons, der der Mann mit dem Bart und auf dem Foto ist, uns erzählen will, nicht gerade die leichteste. Doch seine
Stimme passt dazu und so schwingt sie sich gen Nachthimmel auf und singt die Lieder.

this is a story of a family and what happens when they break apart

Steht im Inneren des Albums, das im Übrigen wunderschön von Ben Scruton illustriert worden ist, und stimmt auf das Album ein.
Wenn ich mit einem Wort das Album „Goodnight“ von Wiliam Fitzsimmons beschreiben sollte, so würde ich vermutlich schön wählen. Das ist sie, schön, nicht mehr und nicht weniger. Mal traurig, mal Trost und Kraft spendend, aber an keiner Stelle verliert seine leichte Stimme den Halt und entgleitet ihm in den Sternenhimmel, der sich über einem auftut. Und somit bleibt nach dem Hören auch kein depressives Gefühl zurück, sondern vielmehr eine sentimentale Atmosphäre.
Von seiner Stimme und dem Gitarrenspiel begleitet, bleibt einem nichts anderes übrig, als eine Gute Nacht.

Auch ältere und neuere Alben sind durchaus empfehlenswert.

Ruedi Zuercher – Facettenreichtum

Schlaf by Ruedi Zuercher

Ich fand an Portraits schon immer faszinierend, wie offen die Personen einen anschauen, so als würden sie einem jeden Moment alles erzählen. Genau um diese Dinge, die durch den Ausdruck von Portraits transportiert werden, geht es auch Ruedi Zuercher:

„Ich war schon immer fasziniert von Gesichtern, innert Kürze können sie – meist gegen den Willen ihrer Besitzer – divergente Signale aussenden. Dieses Phänomen wollte ich mittels Experimenten genauer untersuchen. Interessant dabei ist vor allen Dingen, dass sich die Aktionen bei jedem Gesicht unterschiedlich niederschlagen.“

Aus diesem Grund, hat er als Diplomprojekt eine Fotostrecke mit jeweils zwei Portraits einer Person angefertigt, und zwar immer kurz vor und kurz nach einer bestimmten Handlung, die die Personen bzw. ihr Gesicht verändert hat.

Fallschirmsprung von Ruedi Zuercher

Fallschirmsprung by Ruedi Zuercher

Auffallend finde ich dabei, dass, obwohl sich viele Gesichter nicht gerade sehr stark verändern, abgesehen von verwuschelten Haaren und leicht geröteter Haut, die Emotionen, wie zum Beispiel beim obigen Fallschirmsprung die

immer noch leichte Verwirrtheit, sehr gut transportiert werden. Aber auch bei durchaus heftigeren Veränderungen wie dem Boxkampf, sind es doch eigentlich fast noch stärker die Emotionen, die die Veränderung kennzeichnen.

Boxkampf by Ruedi Zuercher

Wer noch mehr über das Projekt erfahren, weitere Bilder ( z.B. 24 Stunden Marathon oder Einnahme von Heroin) sehen möchte, der besucht am besten die Seite von Ruedi Zuercher, wo man auch die Möglichkeit hat sich über weitere tolle Projekte zu informieren.

Daily Stack – Design zur Organisation

Als ich noch in der Grundschule war, hatte fast jedes Kind ein kariertes Heft, um darin mit Blümchen oder ähnlichem verziert Hausaufgaben aufzuschreiben ; heute ist es so, dass die armen Grundschulkinder keine schön karierten Hefte mehr nutzen dürfen, sondern alle Organizer von „Lillifee“ und „Transformers“ zur Einschulung bekommen, in die sie dann bitte auch haargenau und sauber eintragen, was sie zu Hause machen müssen und wann sie auf welchem Spielplatz, von welcher Schaukel fliegen sollen.

Ich habe solche Hefte immer unabsichtlich verloren.

Später hatte ich ähnlich wie Harald Martenstein Listen herumliegen, auf denen stand, was ich zu tun hatte. Manche würden sie To-Do-Listen nennen. Funktioniert haben sie leider nicht immer. Das lag meistens daran, dass ich nach dem Schreiben nicht nochmal draufschaute oder aber Dinge auf eine imaginäre „Irgendwann…“- bzw. „Morgen ist auch noch ein Tag…“-Liste zu verschieben. Meine Mutter nannte das „Aufschieberitis“, was ich weder sehr lustig noch wirklich einfallsreich fand, aber es traf das Problem auf den Punkt.

Nach dem ich mir nun letztes Jahr einen iPod touch gekauft hab, habe ich diesen dazu genutzt meine Aufgaben zu managen und siehe da, es war und ist von Erfolg gekrönt, was vermutlich einfach daran liegt, dass es irgendwie auch Spaß macht, sich damit zu organisieren.

DirektlinkDailyStack
Und genau dieses Prinzip greifen auch die Designer Sebastian Rønde Thielke und Anders Højmose mit ihrem Zeitmanagementsystem Daily Stack auf, bei dem man ganz im Sinne von Grundschulkindern, mit Bauklötzen spielend, den täglichen Ablauf mithilfe des PCs plant. Das sieht man immer häufiger, dass analoge schöne Dinge verbunden mit dem PC das Leben neu durchplanen sollen, wahrscheinlich, weil es Spaß macht; oder nützlich ist; oder einfach beides zusammen.

Wie auch immer, ich werd mir jetzt ein kariertes Heft kaufen gehen.

via blogmitspeck , die hier auch noch einige andere neuartige Ordnungssysteme auflisten

Update: Da man es leider noch nicht kaufen kann, kann man sich hier umschauen, wo Michael Hunger erklärt, wie er ein ähnliches System mit Lego für sich gebaut hat.

via Magnus bei Spreeblick


Mitgerissen

wenn ich Kaffee trinke… kannichkantskritikderreinenvernuftineinersekundeleseninmeinem kopfinachtzigsprachenübersetzendieichvorherüberhauptnochgarnichtkonnte
undalleswiedervergessen.
Wennichkaffeetrinkesortiereichallebücherinmeinemregalerstalphabetisch dannnachgröße,dannnacherscheinungsjahrdannverbrennichalle,entstaubedasregal
schraubeesauseinanderschraubeesspiegelverkehrtwiederzusammen
strickezweitausendpullover versteigeresiebeiebayundkaufmirvondemgeldallebücherneu

Wenn man das so liest, denkt man vielleicht, oh wie cool und kreativ, kann witzig schreiben, der sich das ausgedacht hat. Aber jetzt stellt euch vor, ihr hört das ganze…und zwar schneller als man lesen kann. Das ist es, was Poetry Slam meiner Meinung nach ausmacht. Dieses Mitgerissenwerden von den Wörtern, zu schnell, um sie zu verstehen, aber irgendwie begreift man sie trotzdem. Natürlich entscheidet jeder selbst, was Poetry Slam für ihn ist, so wie jeder andere Gedanken und Gefühle hat, hat auch jeder eine andere Art diese auszudrücken und mitzuteilen. Aber das ist ja das Schöne an Poesie allgemein und natürlich auch an Poetry Slam – dass sie offen für alles sind. Da dichtet dann zum Beispiel jemand aus wunderschönen, faszinierenden Worten geradezu eine andere Welt und man merkt, wie man tatsächlich zumindest für sechs Minuten, länger darf ein Beitrag nämlich nicht dauern, in diese Welt entschwebt, nur durch den Klang…. Andere wiederum beschreiben chronisch depressiv mit monotoner Stimme, was für ein schwarzes Loch die Welt doch ist. Die wirklich hundertprozentig negative Attitüde zu allem macht ihren Vortrag aus. Was auch sehr verbreitet ist: Geschichten, die harmlos anfangen, sich dann aber durch irgendwelche Assoziationsketten ins absolut Absurde steigern. Sowieso, das Geschichtenerzähltkriegen macht eigentlich immer noch am meisten Spaß.

Aber diese Art, wenn da vorne jemand steht und dir was erzählt, Wörterketten bildet ohne Luft zu holen, wenn man das Gefühl hat, das Gehör ist zu langsam, der Sinn aber doch irgendwie im Gehirn ankommt und man sich praktisch erst im Nachhinein über die Kreativität und die sorgfältigen Formulierungen Gedanken machen und freuen kann, dann sollte man sich einfach zurücklehnen und genießen.

Nick Lepard

Nick Lepard malt Bilder. Er malt Gesichter von Menschen, so wie auch viele andere.
Das Faszinierende für mich an den Bildern von Nick Lepard ist aber, dass es so wirkt, als würde aus zufällig hingeschmierten Strichen solch doch realistische Kunst entstehen. Gerade bei diesem Bild ist der stechende blaue Blick ein wirklicher „eye catcher“ [sic!].

Der Künstler selbst meint zu seinen Arbeiten:

„Capturing someone’s identity means more than rendering a face. It requires capturing the non-physical characteristics as well. It requires capturing invisible, constantly changing, and constantly moving information. To tack it all down on a single page, to make it lines and colour, is perhaps impossible. With these paintings I am trying to pull the portrait apart or, rather, a head apart, and reveal the movement inside. Each painting attempts to freeze a single fleeting moment during the development of an identity.“

Einfach einfach

Apples iPad wird ein Erfolg werden, dessen bin ich mir sicher und das liegt nicht nur daran, dass es von Apple ist und jeder richtige Fanboy sich sowieso eines kaufen wird, auch nicht nur an den genialen Marketingstrategen der Firma aus Cupertino – nein, ich glaube wirklich, dass es am Gerät und seinem Konzept selbst liegt.

Ich kann mich nicht wirklich an meine erste Begegnung mit einem Computer erinnern, aber es muss sehr kompliziert für mich gewesen sein: Ein flackernder Bildschirm, dieses rechteckige Teil mit den vielen Tasten und ein unförmiges Ding mit einer Schnur, das mir liebevoll als „Maus“ vorgestellt wurde. Anfangs gewöhnte ich mir eine einfach Routine an: An-Knopf drücken, warten, CD-Laufwerk auf, Spiele-CD einlegen, Laufwerk wieder zu und zweimal auf das passende Icon drücken – der Rest des Systems war ein rotes Tuch für mich. Langsam traute man sich mehr zu, begann zu verstehen, wie alles aufgebaut war, probierte Dinge aus. Diesen Prozess musste wohl jeder PC-Nutzer durchmachen und je älter man ist und  je weniger man mit der Materie vertraut ist, desto schwieriger ist es einzusteigen.

Deshalb glaube ich, dass das iPad ein Erfolg wird: Es ist selbsterklärend, intuitiv und für einfache Anwendungsmöglichkeiten absolut ausreichend. Das Bedienkonzept eröffnet die Welt der modernen Technik für Leute, die damit bisher nichts am Hut hatten. Ob in naher oder ferner Zukunft, irgendwann wird ein Leben ohne Technik für keinen mehr möglich sein, weshalb einfach verständliche Interfaces, mit denen jeder umgehen kann, notwendig sind.

Wer bisher nichts mit der Materie zu tun hatte, will keine Kurse belegen oder sich mühevoll alles selbst beibringen – okay, der ein oder andere wird das vielleicht wollen, aber nicht die breite Masse. Bei Videospielen verhält es sich doch genauso: Die Hardcorezocker spielen stundenlang Playstation oder Xbox, während die Gelegenheits- bzw. Nie-Spieler sich eher für eine Runde Wii-Tennis begeistern lassen, weil sofort klar ist, was wie funktioniert.

Ende meines Lobgesangs.