Der, dem nichts Kreatives einfällt und der dennoch die Welt mit seinen Schriftstücken “bereichern” will, der gehört bestraft. Aus dem Grund muss darf Philipp seinen Senf zu irgendeinem aus der Luft bestimmten Thema geben.

Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, aber am Wochenende endet 2011 und 2012 wird mit buntem und lautem Krachen am Himmel begrüßt. Ehrlich gesagt hab ich eher wenig Erfahrung mit Silvesterraketen, Böllern und dem ganzen Kram. Deshalb begleitete ich heute Abend exklusiv für Kipfarl einen Experten der Pyroszene auf seiner jährlichen Mission der Materialbeschaffung.

Schritt 1: Die Lagebesprechung

Ich treffe unseren Experten Nik (Name von der Redaktion geändert) in eine breite Auswahl an Tageszeitungen, Flyern und Werbeprospekten vertieft an. “Es ist wichtig, sich im Vorfeld umfassend zu informieren. Sonst verliert man unnötig Zeit, möglicherweise ist das beste schon verkauft oder man hetzt von Geschäft zu Geschäft um am Ende vor verschlossenen Türen zu stehen”, klärt Nik mich auf. “Der Wettbewerb in der Szene ist hart. Man muss genau wissen, was man will, sonst wird es einem vor der Nase weggeschnappt. Feuerwerksduelle innerhalb der Nachbarschaft sind nicht selten.” Nach umfassender Recherche brechen wir auf. Nik packt in seinen schwarzen Rucksack eine große Tüte ein. “Das sind die Überbleibsel vom letzten Jahr. Ich bringe sie nachher noch in das Lager.” Mein Magen wird etwas flau, mir war nicht klar, welch große Szene hinter den Silvesterfeuerwerken steckt.

Schritt 2: Der Kauf

Wir erreichen das erste Geschäft. Die Sonne ist längst untergegangen. Das sei ihm wichtig, erläutert Nik. “Ich operiere nur bei Dunkelheit. Die Vorteile liegen auf der Hand: In der kalten Nacht ist die Luft trockener, die Gefahr, dass die Ware feucht wird, das Pulver verklebt, ist also deutlich geringer. Außerdem bietet die Nacht Schutz vor den Blicken der Konkurrenz. Ich lasse mir nur ungern in die Karten schauen, was – und wie viel davon – ich kaufe.” Daher sei seine Wahl des Transportmittels auch auf das Fahrrad gefallen. “Es ist leise, unauffällig, wendig und man gelangt schnell auf Schleichwege.” Verfolgungsjagden gehören zum Geschäft, er selbst wurde schon einmal bestohlen, offenbart Nik.

Das Gedränge im Laden hält sich in Grenzen. Nik mustert das Angebot. Der “Kinderkram” wird schnell ausgeblendet, Nik wägt ab, welche Kombination es dieses Jahr sein soll. Leichtfertig mache ich einen Kaufvorschlag. Niks Augen huschen hin und her. Ein paar Meter entfernt legt ein Familienvater die Artikel, die ich vorgeschlagen hatte, in den Einkaufswagen. “Wechseln wir das Geschäft”, sagt Nik kurz angebunden.

Schritt 3: Der Transport

Wir werden doch noch fündig – mein Anfängerfehler wiederholt sich nicht – und ich meine ein zufriedenes Lächeln in Niks Gesicht zu erkennen, als wir das Geschäft verlassen. Wir rasen mit den Fahrrädern durch die Stadt, doch Verfolger bleiben heute aus. Irgendwann steigt Nik vom Rad, ab hier gehe er zu Fuß. Und alleine. Er verabschiedet sich mit einem kräftigen Händedruck und einem schelmischen Zwinkern. Während ich noch dastehe und über die alljährlichen Grabenkämpfe um das nächtliche Lichtspektakel nachdenke, wird Niks Rucksack voller Raketen und Böller in der Ferne immer kleiner.