Ein Telefongespräch zwischen zwei Verliebten, ein Streit zwischen zwei Kollegen, die Mutter, die ihre Tochter nicht noch um zehn abholen will. Das Leben schreibt die besten Geschichten, sagt man. Und in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Bühne der Dauerdarsteller. Doch, obwohl die Zunahme der Handys gerade Einzelpersonen immer mehr Möglichkeiten eröffnet, nimmt das aufmerksame Publikum ab.

Beinahe jeder zweite versinkt mit seinem Blick im Display eines Smaartphones und die Kopfhörer gehören mittlerweile schon zum Dresscode.

Aber nimmt man selbige ab, hört man von Geschichten, die einen beschämen, sieht Kinder in fröhlicher Vorfreude auf zurückkehrende Mutter, eine Gruppe Jugendliche auf dem Weg zum ersten Discobesuch oder entdeckt neue Denkansätze durch sich austauschende Studenten.

Die öffentliche Privatsphäre lässt die Leute Gespräche wie am Esstisch führen. Sie entsteht, weil man in der Masse untergehen kann. So fühlt man sich sicher, es kennt einen ja keiner! Da kann man sich ganz frei austauschen.Sitzt man jedoch gerade in der Nähe kann man dem Wortschwall kaum entgehen. Wer man einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren ist, der  fragt sich, was die ganze Diskussion um Twitter soll.

Aber ab und zu erreicht einen durch das ganze Alltagsdrama auch ein neuer Gedanke ,eine neue Information und man darf Zeuge eines Physikvortrags werden. Erst neulich sagte eine Studentin zu ihrem Sitznachbarn, dass man öfters ungewohnte Wege gehen solle, um das Gehirn anzuregen. Danach habe ich einen neuen Heimweg entdeckt, einen kürzeren.

Die Bahn ist die Seifenoper und die Schule der Massen. Verschlafen steigt man ein, unterhalten, inspiriert und informiert steigt man aus. Revoluzzer aufgepasst: Beginnt eure Umwälzung in den S-Bahnen.