Seit Stunden sitze ich da, verschiebe Song um Song, guck die alten Platten durch, vergleiche den Liedanfang mit dem -ende, bis ich es endlich wieder geschafft habe, ein neues Lied passend in die Reihe einzufügen. Meine Haare sind schon total verrauft und meine Ohren verschlissen. Die Kaffeetasse lässt noch den Duft des dritten Kaffees erahnen, während Jamie T durch die Lüfte schwebt.

Mixtapes ist die anstrengendste Art, Musik weiterzugeben. Man muss den Nerv der Person treffen, und zwar so gut, dass sie nicht nach der Hälfte der Zeit die CD nimmt, in den Mixer wirft ( Will it blend?! ) und mit einem großen Rotstift Adresse aus Notizbuch und iPad streicht.

Denn ganz ehrlich, kaum jemand macht sich die Mühe eines Mixtapes nur um Musik zu verbreiten. Nein, man möchte damit etwas vermitteln, etwas ausdrücken durch die Musik anderer. Daher kann es Stunden dauern, bis ein Mixtape fertig ist. Da geht es um die Auswahl des Anfangs- (fasselnd und packend) und Endsongs (abschließende Atmosphäre), keine Band darf zu oft (mehr als 2 Mal) und auf keinen Fall direkt aufeinanderfolgend vertreten sein. Während es dabei vor allem nur ums Hören geht, muss man gleichzeitig auch noch auf die Texte und Titel der Lieder sowie die persönlichen Verbindungen zu ihnen achten. Langsame und schnelle Songs sollen sich abwechseln und das wichtigste, die Bands sollen zumindestens für den Empfänger bzw. Hörer weitestgehend unbekannt sein.

Aber wozu all diese Regeln?! Ganz einfach, das Mixtape bzw. die Playlist ist das Mittel durch das sich der Musikliebhaber ausdrückt, es ist seine einzige „kreative“ Beteiligung am Endwerk des Musikers. Da diese Beteiligung eigentlich nicht beachtenswert ist, der Aufwand, um dem ganzen mehr Gewicht zu verleihen. Wer „High Fidelity“ von Nick Hornby gelesen oder den zugehörigen Film gesehen hat, weiß wovon ich spreche.

Denn grundsätzlich ist es so, dass die beste Playlist, die ist, in die man einfach nach Gutdünken, ich wollte das Wort schon immer mal schreiben, Lieder reinpfeffert und dann abschickt.

Und unter uns: Das ist auch schon der ganze Zauber…